Archive for January, 2012

LMF Keynote Speaker Miha Pogacnik: Im Interview…

Wednesday, January 25th, 2012

…mit evoworkx live Geschäftsführer Daniel Kusebauch verrät Miha Pogacnik, wie Unternehmen von einem Orchester lernen können, aus der Summe Ihrer Einzelteile mehr als ein Ganzes zu formen:

Herr Pogacnik, wie gestalte ich Unternehmensprozesse nachhaltiger? Und wie sensibilisiere ich dafür die Mitarbeiter?

Ich suche die Orientierung in der Klassischen Musik, wenn es um eine Führungsproblematik geht, da sie im Prinzip der Mutterboden der Europäischen Substanz ist. Eigentlich wird die klassische Musik in den höheren Positionen und Führungszentren eher als höhere Unterhaltungsform und nicht als Prozess und Lernchance wahrgenommen, obwohl es genau dort gilt die Kunst neu zu entdecken und sie als Erziehungsprinzip für Faktoren anzuwenden, die heute mit größter Notwendigkeit aus der Zukunft auf uns zukommen.

Ich gebe ihnen ein Beispiel mit zwei interessanten Komponenten aus dem Bereich Symphonie: Wenn man sich ein Symphonieorchester anschaut, kann man sofort eine Parallele zu einer Organisation herstellen. Nur, dass dieses Orchester mit seinen einzelnen Gruppen in einer außergewöhnlich präzisen Zusammenarbeit miteinander arbeitet. Man kann sehr wohl sagen, dass Musiker nicht die einfachsten Menschen sind und sehr viele Eigenarten besitzen. Dennoch verlieren sie diese in genau dem Moment, an dem der Konzertmeister präsent wird. Sie geben sie an das Höhere, das heißt an die Symphonie, ab und es wird zusammen musiziert und gestaltet. Man gibt sich in dem auf, was man tut.

Nun kann man auch sagen, dass Manager nicht die einfachsten Menschen der Welt sind. Das Problem ist nur, dass sie ihre Eigenarten auch behalten, wenn sie ihrem Beruf nachgehen. Wo ist die Partitur, die ihnen die Möglichkeit gibt, über sich hinauszuwachsen und einer größeren Sache zu dienen? Wo sind diejenigen Führungskräfte, die in der Lage sind, dieses Rohmaterial so in die Hände zu nehmen, dass eine Partitur für ein Unternehmen entsteht, welche die Mitwirkenden mit Begeisterung, Freude und größtem Engagement den Visionen und Strategien des Unternehmens folgen lassen? Es muss das Gefühl da sein, dass die Arbeit, die man vollbringt, auch eine persönliche Weiterbildung hervorruft und somit die Arbeit ein Teil des Lebens wird. Man muss die Teilnehmer in die Musik eintauchen lassen, mit ein paar Begriffen ihre Aufmerksamkeit auf die Vorgänge richten und Sie werden selber eine Beziehung zu ihr aufbauen, um Lösungen für die eigenen Probleme und Fragen ausfindig zu machen. Dies geschieht auf der höchsten Ebene, die Ebene der Ebenen: Liebe.

Inwiefern sind Sie der Meinung, dass eine Partitur sich entwickeln und entstehen muss, und in wie weit man als Leader oder Unternehmen Vorgaben machen sollte? Bei einem Zusammenspiel mehrerer Solisten ist es schon wichtig, ein klares Ziel vorgegeben zu haben. Inwiefern kann ich als Leader da Einfluss nehmen?

Die Unternehmenspartitur muss aus dem Ganzheitlichen erfasst werden, das bedeutet, dass jedes einzelne Element – ob Lieferant oder Unternehmensführung – genauso wie die einzelnen Noten in einem Stück, eine Rolle spielen.

Man hat zunächst Rohmaterial und kennt die Gegebenheiten einer zu behandelnden Materie. Dann ist allerdings die Frage, ob man einen künstlerischen Sinn für diese Elemente entwickeln kann. Ob man jetzt pragmatisch darauf schaut oder ob man es schafft, dieses Geschehen ganzheitlich zu betrachten und seine eigene Phantasie daran zu knüpfen. Wenn man so weit gekommen ist, dass man seine Persönlichkeit mit dieser Sache verbindet, dann ist man schon auf dem Weg seine Unternehmenspartitur zu komponieren. Es fehlt viel zu oft an der Phantasie in einem Unternehmen. Man ist sogar stolz darauf pragmatisch vorzugehen. Doch leben ist nicht pragmatisch. Leben ist Phantasie. Die Phantasie begeistert, belebt das Ganze und ist vor allem wichtig, wenn man mit Menschen zu tun hat. Dies ist ein neues Feld, welches noch weiterentwickelt werden muss: Die Frage, wie man die Phantasie in die Visionenbildung eines Unternehmens bekommt.

Sehen Sie es auch ein bisschen als Problem, dass die Unternehmer immer auf der Suche nach dem Neuen sind und weniger zurück auf die Substanz und die alten Werte gehen?

Ich nehme oftmals etwas ganz Altes und setzte es in einen neuen Kontext, sodass es wie etwas Neues erscheint. Es kommt darauf an, wie etwas wahrgenommen wird und wie man zu etwas steht. Darin liegt im Grunde die Innovation, denn eigentlich existiert ja schon alles und wir kennen ja eigentlich auch schon alles. Wir haben mit Unternehmen zu tun und wissen, dass die Konzentration eigentlich auf dem Service liegt. Außerdem wissen wir, dass der Mensch vielschichtig ist. Trotzdem nehmen wir nicht genug Rücksicht darauf und versuchen, immer nur so schnell wie möglich so viel wie möglich an den Kunden zu bringen. Doch das ist nicht die Zukunft eines Unternehmens, da ein Übermaß an Produkten besteht und nun die Frage gestellt werden muss, welche Techniken in dieser Hinsicht weiterhelfen können, ohne die Sensibilität und Sinne der Menschen zu vernachlässigen. Für diese Form der Unternehmensführung gibt es zu wenige Weiterbildungsmöglichkeiten und an dieser Stelle sind nun die Künstler und Musiker gefragt, Methoden zu entwickeln, die diese Gefühlswelt in ein organisiertes Konzept oder eine Gefühlsarchitektur umsetzen. Es fließt viel zu viel Geld in die falschen Dinge und genau dort, wo es gilt zu investieren, ist es den meisten Unternehmen zu viel. Man muss diese Fähigkeiten entdecken, sie schätzen lernen und dort, wie überall sonst auch im Business, ökonomisch denken und in die Menschen investieren.

Glauben Sie, dass ein Zusammenspiel von ökonomischem und ökologischem Handeln in der Zukunft vor Krisen schützen kann?

Als erstes ist es immer wichtig, ein Gleichgewicht zu halten. Natürlich müssen Effizienz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Das ist aber nichts Neues. Der andere Punkt ist allerdings, dass heutzutage die Unternehmen immer mehr in Sachen Mehrwert für die Gesellschaft unter die Lupe genommen werden. Wenn ein Unternehmen einen gesellschaftlichen Faktor darstellt und nicht nur eine Geldmaschine, dann geht es eigentlich schon fast um eine Gewissensfrage: Kann sich ein Unternehmen heutzutage überhaupt noch leisten nicht nachhaltig, unökonomisch und sozial ignorant zu handeln? Und in diesem Punkt heißt es eben Menschen zu Rate zu ziehen, die den Unternehmensmitgliedern Fähigkeiten vermitteln, welche sich auf das Menschliche und Vorausschauende beziehen. Denn Menschen mit diesen vielseitigen Fähigkeiten sind diejenigen, die ein Unternehmen aus der nächsten Krise herausziehen.

Welches Wachstumspotential haben Unternehmen, die effizient wirtschaften und ökologisch handeln?

Das Größte. Das ist doch klar. Nur darf eben in dieser Sache nicht im Quartal gedacht, sondern es muss langfristig investiert werden. Natürlich gibt es einige, die sich diese Investition nicht leisten können. Jedoch gibt es auch viele Unternehmen die zu lange warten, meistens bis es zu spät ist und in diesem Fall muss dann wieder an den falschen Dingen gespart werden.

Musik macht ja bekanntlich kreativ. Mit welchem musikalischen Konzept würden Sie Manager zu mehr Nachhaltigkeit inspirieren wollen?

Die Frage ist: Was ist Nachhaltigkeit? Für mich ist Nachhaltigkeit, wenn ich nach Jahren einem Manager begegne, er mich auf einen meiner damals präsentierten musikalischen Vorträge anspricht, aber ich mich nicht mal an ihn erinnere. Nachhaltigkeit ist Erinnerungsfähigkeit. Und in der Musik bezieht sich Nachhaltigkeit auf das Bewundern. Wenn ich ein Stück so bewundere, dass ich mich hineinversetzen kann und es richtig fühle, man in diesen organischen Prozess durch Gefühl, Interesse und Arbeit hineingekommen ist, wird eigentlich ausgeschlossen, nicht nachhaltig zu handeln.

Musik – Human Relationship – Nachhaltigkeit, das klingt nach einem perfekten Dreiklang: Wie kann daraus nachhaltiges Handeln und ein neues Miteinander im Unternehmen entstehen?

Ich habe unheimliche Erwartungen und Glauben an die menschlichen Fähigkeiten. Wenn man in diesen sogenannten Dreiklang eintauchen kann, werden unwesentliche Dinge mit viel mehr Leichtigkeit weggeschoben, um sich mit viel größerem Willen auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich denke, wenn man dieses Erlebnis wirklich wahrnimmt und man wirklich in diese Welt eintauchen kann, dies eine positive Entwicklung nach sich zieht. Natürlich gibt es Menschen, die sich mit dieser Art der Unternehmensstrategie nicht identifizieren können und das ist auch in Ordnung so. Dennoch glaube ich daran, dass diejenigen, bei denen dies Anklang findet, auch langfristig die Führung übernehmen werden.

“Design Thinking Out Loud: Outside In” – John Bielenberg, Keynote-Redner am MIF 2012, über “Thinking Wrong”

Monday, January 23rd, 2012

“Thinking Wrong” bedeutet für John Bielenberg, Dinge aus einer anderen, ungewohnten Perspektive zu betrachten. Im Youtube-Video “Design Thinking Out Loud: Outside In” spricht John über diese Kunst, Herangehensweisen zu verändern, (Denk-)Strukturen aufzubrechen und somit die Arbeit zu bereichern und qualitativ zu verbessern.

>> Zum Video: “Design Thinking Out Loud: Outside In”

Neuer Speaker am MIF 2012: John Bielenberg – Brand Revolution: Thinking Wrong

Wednesday, January 18th, 2012

Wir freuen uns sehr über die Zusage von John Bielenberg. Bielenberg ist nicht nur kongenialer Partner von Alex Bogusky in der Neudefinition von Marken, sondern auch ein höchst inspirierender Redner. Bielenberg hat im Laufe seiner Karriere über 250 Design-Preise erhalten und wurde 2011 mir dem Ehrendoktortitel des Maryland Institute College of Art ausgezeichnet. >>Zur Speaker-Seite

Was Sie in seiner Keynote am MIF 2012 in München erwartet? Hier ein kleiner Vorgeschmack:
>> Video “A New Collaborative Capitalism”

Neuer Speaker am MIF 2012: Andy Stefanovich – The Museum Mentality

Tuesday, January 17th, 2012

Für den noch vakanten Slot am zweiten Veranstaltungstag konnten wir den amerikanischen Innovator, Autor und weltweit erfolgreichen Berater Andy Stefanovich gewinnen. In seiner Keynote stellt er Innovation und Inspiration in den Unternehmensfokus, mit der er den zweiten Veranstaltungstag eröffnet. Stefanovich ist Experte im Bereich Innovation und trägt den Job Title Chief Curator and Provocateur. >>Zur Speaker-Seite

Was Sie in seiner Keynote am MIF 2012 in München erwartet? Hier ein kleiner Vorgeschmack:
>>The Museum Mentality

„Mobiles Marketing wird der Internetrevolution sehr ähnlich sein“ – Rand Fishkin im Interview

Tuesday, January 3rd, 2012

Rand Fishkin ist einer der führenden Pioniere im Bereich Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Online-Marketing. Sein Unternehmen SEOmoz gehört im Bereich Suchmaschinenmarketing zu den erfolgreichsten der Welt.

Im Interview hat er uns unter anderem verraten, warum es sich lohnt, in die Neuen Medien zu investieren, auch wenn die Ergebnisse mitunter etwas auf sich warten lassen.

1. Welche Rolle spielt ein gezieltes Innovations-Management für erfolgreiches Marketing bzw. für den Vertrieb? Wie müssen sich Unternehmen auf Veränderungen in diesen Bereichen, bspw. Social Media einstellen?
Early adopter, die sich bereits frühzeitig mit den Themen Social Media, Content Marketing und SEO (Suchmaschinenoptimierung) befassen, erwirtschaften verhältnismäßig höhere Umsätze, als der sich später anpassende Wettbewerb, die late-adopters. Diese Thematiken zu fokussieren verlangt allerdings Investitionen. Das Management muss unter der Annahme, dass der ROI langfristig hoch sein wird, Energie und Ressourcen freigeben, die keine positiven Ergebnisse über Nacht liefern. Dies ist eine der größten Herausforderungen im Bereich des Inbound Marketings, weil bei einem niedrigen ROI meist überteuerte Anzeigen geschaltet werden, da diese konsistentere und unmittelbare Resultate liefern.

2. Welche Gründe sehen Sie, dass es so viele ungenutzte Chancen für Innovation in Unternehmen gibt?
Es gibt eine große Vielfalt an Gründen, wobei die Furcht wahrscheinlich der weitverbreitetste und überwältigendeste ist. Manager fürchten, dass die Langzeit-Investitionen in Innovation nicht in der Lage sind die kurzfristigen Unternehmensziele zu erreichen. Führungskräfte werden oft an Quartals- und Jahreszahlen gemessen und erhalten dementsprechend ihre Boni abhängig von der kurzfristigen Leistung. Jeder, vom Vorstandsvorsitzenden bis hinunter zum einzelnen Leistungserbringer befürchtet, dass das Abweichen von den strikten Plänen zu Bestrafung führt.

In meinen Augen ist es wichtig, ein Umfeld bzw. eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Innovationen genauso belohnt wie Erfolg. Wir müssen verstehen, wie wichtig langfristige Investitionen und ein weitsichtiges Vorausdenken sind. Wichtiger als unmittelbare kurzfristige Zielerreichung. Dieses Denken ist zwar selten, aber man findet es bei fast allen außergewöhnlichen Organisationen dieser Welt.

3. Social Media war eines der intensiv diskutierten Themen der letzten zwei Jahre, aber denken Sie, dass es den Sprung in die Firmen bereits geschafft hat? Ist es bereits fester Bestandteil des Marketing-Mix? Muss jedes Unternehmen im Bereich Social Media aktiv sein?
Nahezu jedes, ja! Es gibt sicherlich noch Nischen in denen die Investitionen in Social Media nicht von dringlicher Wichtigkeit sind, allerdings, wie zuvor bereits angemerkt, haben Unternehmen, die früh in dieses Gebiet einsteigen größere Umsätze als jene die verspätet um die Aufmerksamkeit auf diesen Plattformen buhlen.

Es ist noch ein langer Weg bis das Thema endgültig und auf gesamter Breite Einzug in die Firmen gehalten hat. Viele Unternehmen versuchen sich zwar im Bereich Social Media, aber nur wenige sind kennzahlengetrieben, strukturiert und vielfältig genug in ihren Bemühungen.

4. Was wird Ihrer Meinung nach die nächste Revolution im Marketing sein?
Ich glaube, dass das Marketing weiter mit der Technik verschmelzen und noch mehr Kennzahlen- und datengestützt agieren wird, wenn wir die gegenwärtige Situation von Furcht und Unsicherheit im Bezug auf Privatsphäre durchbrechen können, ohne in einen politischen Papierkrieg zu kommen, der Innovationen zurückhält.

5. Nicht nur durch die Telekommunikation ist die Gesellschaft immer (orts)unabhängiger geworden. Welchen Einfluss wird das Mobile Marketing auf die Werbebranche und das Käuferverhalten ausüben?
Meiner Meinung nach wird Mobiles Marketing der Internetrevolution insgesamt sehr ähnlich sein. Es wird gezielte ortspezifische Suchmöglichkeiten, soziale und funktionelle Optionen geben. Der größte Effekt wird sein, dass (Software-) Entwicklungen immer schneller den Weg vom Laptop hin zu mobilen Geräten wie Tablets und Handys findend wird.

6. In Europa ist das nächste Rettungspaket verabschiedet worden, die US-Märkte stecken weiterhin in der Flaute. Welchen Einfluss glauben Sie, werden die aktuellen Geschehnisse auf das Marketing und den Vertrieb haben?
Seltsamerweise sind die Umsätze und Gewinne der Unternehmen auf einem Rekordhoch, während die Arbeiter- und Mittelschicht in diesen Ländern stark gelitten haben. Ich sehe einen negativen Einfluss auf kleine Unternehmen, allerdings sehe ich keinen großen Einfluss auf Groß-Unternehmen voraus, da sie Wege gefunden haben sich zu differenzieren und zu expandieren trotz (oder teilweise aufgrund) der wirtschaftlichen und politischen Umständen.

7. Was können wir von Ihnen beim Marketing & Innovation Forum Europe 2012 erwarten?
Ich werde über das Inbound Marketing sprechen – die Kombination aus content, search, social-community und conversion – und wie es von Unternehmen genutzt werden kann um messbare Resultate zu erzielen.

8. Worauf freuen Sie sich am meisten beim Marketing & Innovation Forum Europe 2012?
Ich freue mich sehr darauf mit einem breiten Geschäfts- und Marketingpublikum in Deutschland zu interagieren. Viele meiner Erfahrungen haben sich jeher um die „hardcore search marketing world“ gedreht. Die Möglichkeit anderen zu helfen, den Wert und die Potenziale dieser Welt zu sehen, ist für mich sehr inspirierend.

Mehr Informationen zu Rand Fishkin, seiner Keynote am MIF Europe 2012 als auch zum Forum selbst, finden Sie wie immer unter www.mifeurope.com.